Drei Räder, ein Segel und jede Menge Wind: Beim Strandsegeln auf Borkum wird der Strand zur Rennstrecke. Fast lautlos gleiten die Wagen über den festen Sand, angetrieben allein von der Kraft des Windes. Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h sind im Strandsegelsport möglich. Kein Wunder, dass die Sportart immer mehr Menschen begeistert.
Mit seinen kilometerweiten Sandstränden und der beständigen Nordseebrise zählt Borkum zu den attraktivsten Strandsegelrevieren Europas. Hier finden sowohl Neugierige als auch erfahrene Strandsegler beste Voraussetzungen, um den Wind für sich zu nutzen.
Vom Transportmittel zum rasanten Sport
So modern Strandsegeln heute wirkt, die Idee dahinter ist Jahrhunderte alt. Schon lange bevor die ersten Segelwagen über europäische Strände rollten, nutzten Menschen die Kraft des Windes, um sich an Land fortzubewegen.
Bereits im alten China kamen große, windbetriebene Wagen zum Einsatz, die Menschen und Waren über weite Strecken transportierten. Anfang des 17. Jahrhunderts erreichte die Idee schließlich Europa. Der flämische Ingenieur Simon Stevin entwickelte im Auftrag von Moritz von Oranien einen Segelwagen, der bereits Geschwindigkeiten von mehr als 30 km/h erreichte. Das außergewöhnliche Gefährt sorgte damals für großes Aufsehen und ging als „Wunder von Den Haag“ in die Geschichte ein.
Auch auf Borkum sollen Segelwagen früher als Transportmittel zwischen Nord- und Südbad genutzt worden sein. Schriftliche Belege dafür gibt es allerdings nicht. Die Vorstellung, dass schon vor vielen Jahrzehnten windbetriebene Wagen über die Borkumer Strände rollten, passt dennoch zur langen Geschichte des Strandsegelns an der Nordsee.
Wie aus einer Idee eine Sportart wurde
Der Schritt vom praktischen Transportmittel zum Freizeitvergnügen folgte Ende des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1898 stellten die belgischen Brüder Benjamin und André Dumont am Strand von De Panne einen hölzernen Segelwagen für die Freizeitnutzung vor. Nur wenige Jahre später, 1909, fand dort die erste offizielle Strandsegelregatta statt.
Seitdem hat sich einiges getan. Aus einfachen Holzkonstruktionen sind moderne, aerodynamische Sportgeräte geworden. Heute messen sich Strandsegler bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Mit der Fédération Internationale de Sand et Landyachting (FISLY) verfügt die Sportart sogar über einen eigenen Weltverband.
Was geblieben ist, ist die Faszination, sich allein durch die Kraft des Windes fortzubewegen.
Borkum: Ein Paradies für Strandsegler
Weite Sandflächen, frischer Nordseewind und jede Menge Platz: Borkum bringt alles mit, was das Strandseglerherz höherschlagen lässt. Die größte der Ostfriesischen Inseln hat sich längst einen Namen in der Strandsegelszene gemacht und zieht regelmäßig Sportbegeisterte an.
Besonders reizvoll ist dabei das Zusammenspiel aus Geschwindigkeit und Natur. Während der Wind das Segel füllt, gleitet der Wagen über den festen Sand. Links die Dünen, rechts die Nordsee und vor einem der weite Strand.
Dabei geht es nicht immer darum, möglichst schnell zu sein. Schon das erste selbstständige Manöver, die richtige Stellung zum Wind und das Gefühl, den Segelwagen allein mit Windkraft zu steuern, machen den Reiz dieser Sportart aus.
Strandsegeln lernen: Einfach ausprobieren!
Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst das Steuer in die Hand zu nehmen, kann auf Borkum direkt loslegen. Denn Strandsegeln ist längst nicht nur etwas für erfahrene Sportler.
Während der Saison bietet die Strandsegelschule World of Wind Schnupper-, Grund- und Fortgeschrittenenkurse die Möglichkeit, die Sportart kennenzulernen oder die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Unter fachkundiger Anleitung lernen die Teilnehmenden, wie sie den Wind richtig nutzen, den Segelwagen sicher steuern und erste Manöver meistern.
Die Ausbildung orientiert sich an den Richtlinien des internationalen Strandsegelverbandes FISLY sowie des Deutschen Segler-Verbandes. Wer ausreichend Erfahrung gesammelt und die entsprechende Prüfung bestanden hat, kann einen Pilotenschein erwerben. Dieser ermöglicht es, unter den geltenden Voraussetzungen selbstständig einen Strandsegler auszuleihen.
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